Zum Thema „Ungemütlich reisen mit der Mitfahrzentrale“: es gibt nichts, was sich nicht noch steigern ließe. Zum Beispiel am letzten Freitag. Ich hatte einen Platz in einem Audi A6 reserviert und freute mich auf eine ausnahmsweise entspannte Fahrt in einem großen Auto. Da hatte ich allerdings den Fahrer unterschätzt, der der Ansicht war, drei Mitfahrer passen locker auf die Rückbank, schließlich ist der Audi für fünf Personen zugelassen. Da quetschten sich also zwei Männer, die ich vorsichtig formuliert mal als nicht gerade zierlich bezeichnen möchte. Und ich. Deutlich mehr Körperkontakt, als ich zu Menschen haben möchte, die ich gerade seit fünf Minuten kenne. Bei einer Fahrzeit von fast drei Stunden auch verdammt unbequem. Ich tröstete mich mit wilden Tagträumen, in denen ich den Fahrer zwang, das Vanille-Duftbäumchen, welches vor meiner Nase vor sich hinstank, zu verspeisen. Zum Glück hat auch die längste Fahrt mal ein Ende.

Die Fahrt zurück nach Berlin war hingegen ein reines Vergnügen, weil ich da mit meinem Cousin fahren konnte, der witzigerweise auch an diesem Wochenende in Freiberg war. Außerdem wohnen wir in Zukunft fast gegenüber. Zufälle gibt’s…

Ansonsten ärgere ich mich gerade mit der ArGe herum, die nach nur fünf Wochen in denen mein Antrag offenbar auf irgendeinem Schreibtisch Moos ansetzen durfte, jetzt gemerkt haben, dass sie noch allerlei Rückfragen haben. Zu denen ich selbstverständlich noch diverse Unterlagen einreichen darf. Und zwar hopphopp, sprich: bis morgen. Klar, kein Problem; ich habe ja auch nur wegen Umzuges meine Unterlagen bereits in diversen Kartons verpackt und auf zwei Wohnsitze verteilt. Aber auf Wunsch wird ja gehext.

Für meinen Umzug habe ich jetzt immerhin schon einen Termin am übernächsten Wochenende. Die potentiellen Umzugshelfer rennen mir vor lauter Eifer fast die Bude ein („Hast Du da Zeit mir beim Umzug zu helfen?“ „Öhm, ja… äh…. „ *undeutliches Gemurmel*). Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das jetzt auch noch hinkriegen. Währenddessen bereite ich schon mal die Wohnung soweit vor und entferne enorme Mengen an Dreck, die die Handwerker dort auf sämtlichen Flächen verteilt haben. Merke: je mehr Dreck & Chaos, desto fleißiger der Handwerker! Meine waren unglaublich fleißig.

Bis zum Umzug will ich dann noch in meiner neuen Wohnung 1-3 Wände streichen, im Bad und Schlafzimmer Rollos anbringen, damit ich keine Videos von mir beim Baden auf Youtube wiederfinde und zum Möbelhaus mit dem Elch muss ich auch noch mal.

Wenigstens wird mir nicht langweilig! :)

…sehe ich jetzt jedes Wochenende aus. Denn momentan gondele ich an den Wochenenden zwischen Berlin und Freiberg mit der Mitfahrzentrale hin und her.
Da kann man was erleben!

Es fängt damit an, dass Menschen mit großen, teuren, komfortablen Autos leider selten Mitfahrer suchen. Der typische Fahrer ist Student oder Artverwandtes, hat eher einen Kleinwagen und will Leute mitnehmen um die Fahrkosten zu senken.

Das bedeutet natürlich auch, dass man – ungeachtet der Größe des Fahrzeuges – möglichst viele zahlende Passagiere haben möchte. Da wird besagter Kleinwagen mit drei Mitfahrern vollgestopft, was dann gelegentlich schon zu einem etwas beengten Sardinendosengefühl führen kann. Insbesondere wenn einer oder mehrere der Mitfahrer über 1,80m groß sind. Kleine Menschen (wie ich) werden dann auf den Rücksitz verbannt und der vordere Sitz bis zum Anschlag an die Kniescheiben zurückgeschoben. Das wird nach spätestens einer Stunde Fahrzeit ein kleines bisschen unbequem.

Dass vier Leute auch entsprechend viel Gepäck mitbringen, scheint die meisten Fahrer auch maßlos zu überraschen. Anders ist es nicht zu erklären, dass fast jeder mit einem mindestens halbvollen Kofferraum ankommt und das Gepäck seiner Mitfahrer mit besorgtem Blick mustert. “Ich weiss nicht, ob das alles da reinpasst!”
Klar passt es. Notfalls mit Gewalt in den Kofferraum gequetscht. Merke: keine zerbrechlichen Sachen einpacken, wenn man per Mitfahrzentrale unterwegs ist.

Sind irgendwann alle Mitreisenden und ihr Gepäck verstaut, so geht es, zumeist mit gebremster Geschwindigkeit – vollbesetzte Kleinwagen haben die Tendenz, nicht gerade Rennautos zu sein – auf die Autobahn. Über so Kleinigkeiten wie die Temperaturentwicklung in vollbesetzten Fahrzeugen ohne Klimaanlage bei 30°C Außentemperatur oder den gewöhnungsbedürftigen Musikgeschmack mancher Fahrer werde ich mich allerdings nicht im Detail auslassen.

Ebensowenig darüber, dass es doch erstaunlich viele Autofahrer gibt, die sich für so multitaskingfähig halten, dass sie während der Fahrt telefonieren, auf ihrem iPhone herumsuchen oder im Stadtplan blättern können. Um es frei nach Forrest Gump zu sagen, man weiss vorher eben nie, was man bekommt.

Trotzdem: Mitfahren macht glücklich! Ich bin jedes Mal wieder ungeheuer froh, wenn ich heile am Ziel angekommen bin und den Wagen verlassen darf! ;)

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