Gestern abend waren wir mit Freunden im Kino und haben uns 2012 angesehen.

Leider haben wir vergessen, vorher das Hirn auszuschalten, insofern war der Kinoabend dann doch nicht ganz so erfreulich.

Filme wie diese folgen immer einem bestimmten Schema. Es beginnt mit einer Vorgeschichte, in der das kommende Unheil pseudowissenschaftlich vorhergesagt wird. In den meisten Filmen werden die Warnungen der Wissenschaftler ignoriert, worauf die Katastrophe die Menschheit unvorbereitet trifft. In diesem Film wird den Wissenschaftlern zugehört und Vorkehrungen getroffen – für diejenigen, die wichtig oder reich genug sind, gerettet zu werden. Den Rest der Menschheit trifft die Katastrophe unvorbereitet. Das macht aber nichts, denn die bekommen wir ohnehin nur als kleine zappelnde Figuren in einem riesigen CGI-Haufen mit, darum berührt uns der Tod von Millionen hier auch nicht so sehr.

Davon abgesehen folgt der Film weiter dem Katastrophenfilm-Baukasten: es werden einige Protagonisten vorgestellt, damit wir jemanden haben, mit dem wir mitleiden können und der uns durch die zunehmende Zerstörung führt. Dabei passieren natürlich ständig noch kleinere Beinahe-Katastrophen, bei denen zum Glück nur die unwichtigen Begleiter sterben. Bei Star Trek hätten sie rote Hemden an, aber auch hier ist frühzeitig klar, wer das Ende nicht erleben wird. Gegen Schluss, als es so aussieht, als könnte es tatsächlich sowas wie eine Rettung geben, wird natürlich nochmal alles viel schlimmer und wie immer in diesen Fällen scheint schon alles verloren. Rettung erfolgt natürlich erst in letzter Sekunde – buchstäblich, denn auch der unvermeidliche digitale Countdown fehlt nicht – durch den heldenhaften Einsatz des Protagonisten, der entgegen jeglicher Logik den Tag rettet. Am Schluss fahren wir dann alle dem Sonnenaufgang entgegen. Oder so ähnlich.

Ein paar Beispiele. Achtung, es folgen SPOILER!

  • Die ganze Katastrophe findet statt, weil Sonneneruptionen die Anzahl der Neutrinos erhöhen und dieser Vorgang wie Mikrowellen den Erdkern aufheizt. Das ist pseudowissenschaftlicher Quatsch; aber fast jeder Katastrophenfilm hat eine schwachsinnige Erklärung wie diese, also geht das gerade noch in Ordnung.
  • Als der Westen der USA in Erdspalten versinkt und im Yellowstone Park Vulkane ausbrechen, fliehen die Protagonisten per Flugzeug. Auftanken wollen sie dieses auf Hawaii. Auf einem eh schon aktiven Vulkan? Hallo?
  • Die diversen Erd- und Seebeben im Film lösen natürlich auch Tsunamis aus. Auf dem Meer schwimmt ein gigantischer Ozeandampfer, der von einer noch viel gigantischeren Welle einfach mal überrollt und verschluckt wird. Völliger Unfug, denn Tsunamis werden erst in Ufernähe zu gigantischen Wellenbergen. Auf dem offenen Meer sind diese Wellen nicht wesentlich höher als andere und so würde man auf dem Ozeanriesen warscheinlich gar nicht merken, dass gerade ein Tsunami darunter durch gerollt ist.
  • Man sollte annehmen, dass wenn man Schiffe speziell zur Rettung im Fall von Tsunamis etc. baut, dass man dieses erstens nicht am Ende eines Tales tut, wo das ankommende Wasser durch die Form des Tals seine maximale Zerstörungskraft entfalten kann und zweitens beim Bau mit einkalkuliert, dass ausser dem Wasser noch jede Menge Schutt und Trümmer mitgeführt werden, die ebenfalls zu Beschädigungen führen können. Mal ganz davon abgesehen, dass die entsprechenden Schiffe so nahe beieinander sind, dass Kollisionen praktisch vorprogrammiert sind.
  • Ebenfalls sollte man annehmen, dass bei Fahrzeugen die speziell für einen Katastrophenfall, in dem man nicht ganz genau weiss was auf einen zukommt, konstruiert werden, immer die Möglichkeit besteht, eine eventuelle Automatik von Hand zu überbrücken. Dass man den Motor nicht starten kann, weil die Tür offen steht, mag vielleicht heutzutage bei Mittelklassewagen so sein, aber woanders wirkt es lächerlich.
  • Im Falle eines undichten Schiffsrumpfs und infolgedessen durch Schotts getrennten Kammern läuft immer zuerst die am nächsten zur Außenhülle gelegene Kammer voll, dann die angrenzende und so weiter. Keineswegs aber bleibt der Wasserstand in der äußersten Kammer nahezu gleich, während die mittlere Kammer sich sofort mit Wasser füllt. Auch dann nicht, wenn eine für den weiteren Plot entbehrliche Nebenfigur sich dort aufhält.
  • Über die Länge des Bremsweges eines Ozeanriesen und dessen geradezu sprichwörtliche Wendigkeit lasse ich mich lieber nicht im Detail aus. Wenn ich so ein Ding anhalten oder rückwärts bewegen will, dann muss ich mir das mindestens eine Viertelstunde früher überlegen und nicht dreißig Sekunden vorher.
  • Selbst wenn große Teile der Erdoberfläche schon zerstört sind, Mobiltelefone funktionieren immer noch. Wie bitte? Liebe Leute, diese Dinger funktionieren nicht über Satelliten, sondern über stinknormale Sendemasten. Und diese stehen auf der Erde. Klar?
  • Sobald es einmal richtig gerummst hat, ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Die Erdkruste hat sich halt ein bisschen verschoben, der Südpol ist jetzt in Wisconsin, aber hey, was soll’s, fahren wir halt nach Afrika.
    Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich bezweifle, dass sich die Erde nach so einem Vorfall so schnell wieder beruhigt. Ich denke eher, das wäre ein Prozess von Jahren, wenn nicht Jahrhunderten.

Ich könnte noch etliche Sachen aufzählen, aber das sprengt dann auch den Rahmen. 2012 ist ein Katastrophenfilm im wörtlichen Sinne. Braucht man nicht ansehen.

HatariAls ich mich das erste Mal verliebt habe, war ich ungefähr fünf Jahre alt.

Ich saß zuhause vor dem Fernseher und schaute einen Film.Darin ging es um eine Gruppe von Tierfängern in Afrika. Der Film hiess Hatari! und hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, aber das hätte mich ohnehin nicht interessiert. Immerhin kamen Tiere darin vor, die ich nur aus dem Zoo kannte – Nashörner, Giraffen, Elefanten, Affen. Und da waren diese wagemutigen Männer – und Frauen – die diese Tiere einfingen um sie an Tierparks in der ganzen Welt zu verkaufen.

Einer von diesen Männern fiel mir ganz besonders auf. Ich himmelte ihn in jeder Szene an; und bis zum Ende des Films hatte ich beschlossen: den will ich mal heiraten!

Ich nahm an, das sollte machbar sein, immerhin war er ja, was Frauen betrifft, im Film leer ausgegangen. Ich musste nur noch etwas älter werden.

Mein damaliger Schwarm: Hardy Krüger.

hardy_kruger

Als ich dann tatsächlich ein paar Jährchen älter geworden war, hatte ich das natürlich längst vergessen. Ich erinnerte mich allerdings, als mir in der Bücherei auf der Suche nach Lesestoff ein Buch mit dem Titel Eine Farm in Afrika in die Hände fiel. Autor war genau dieser Hardy Krüger, an den ich mich jetzt als den Schauspieler (ja, mittlerweile war mir auch das klar) aus Hatari! erinnerte. Das Buch machte mich neugierig, also nahm ich es mit.

Um es kurz zu machen: ich war total fasziniert. Deutsche Schauspieler mit Karriere in Hollywood sind ja eher die Ausnahme. Anstatt jetzt aber seine Nase für jeden Paparazzi hinzuhalten, wie das heutzutage üblich ist, kauft er sich die Farm, auf der damals der Film gedreht wurde und baut dort eine Lodge auf. Gelegentlich lässt er sich dann von einem besonders guten Filmangebot aus dem afrikanischen Busch locken. Und von denen gab es so einige.

Ausserdem tut er das, was er schon immer tun wollte: Bücher schreiben. Und Hardy Krüger hat – kein Wunder bei seinem ungewöhnlichen Leben – fantastische Geschichten zu erzählen. Darin kommen dann, unter anderem, auch mal so Leute vor, wie Max Schmeling, Charles Aznavour, Lino Ventura, Lawrence Olivier und Winston Churchill. Was mich nun nach der langen Vorrede zum gestrigen Abend bringt.

Da war nämlich Hardy Krüger zu Gast in unserem pittoresken kleinen Städtchen und veranstaltete eine Lesung im hiesigen Theater. Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

DSC01018

Er ist mittlerweile über 80. Das muss man bei ihm wirklich dazu sagen, ansonsten merkt man es nicht. Er wirkt nicht wie ein alter Mann, er wirkt wie jemand, der genau da ist, wo er sein möchte und das tut was er gerne macht. Zu jeder Zeit. Dass er seine Geschichten ausserdem noch wunderbar vortragen kann, versteht sich von selbst, der Mann ist immerhin ein großer Schauspieler.

Als er die Geschichte einer Fahrt von Hamburg nach Berlin, inklusive einem unerfreulichem Zusammentreffen mit einem (zu jener Zeit noch vorhandenen) DDR-Grenzbeamten erzählt, habe ich Tränen gelacht. Hardy Krüger, selbst Berliner, imitiert den sächsischen Tonfall des damaligen Beamten, was allein schon für Lacher im Publikum sorgte. Dann macht er eine kurze Pause, schaut ins Publikum und meint “Ich hörte ihm zu und dachte: der Mann hat ein Problem mit seinen Konsonanten!”
Ich konnte es ihm so nachfühlen! So geht es mir jeden Tag.*

Am Schluss der Lesung gab es dann noch eine kleine Signierstunde. Zum Glück hatte ich mitgedacht und ein Buch von zuhause mitgenommen. (Natürlich gab es auch dort welche zu kaufen.)

Wanderjahre

Bei dieser Gelegenheit habe ich ihm dann auch die Geschichte erzählt, wie ich mich mit fünf Jahren in ihn verknallt habe.

Er hat herzlich gelacht.

.
.
*Konsonanten: einfach mal zu den Ausspracheregeln runterscrollen.

© 2012 Die Höhle der haarigen Biester Suffusion theme by Sayontan Sinha