Die Reaktionen, die ich bekam, wenn ich – egal wem – erzählte, dass ich nach London mit dem Zug fahren würde, waren immer dieselben. Unter dem Strich lässt es sich mit “Du hast doch nicht alle Tassen im Schrank!” zusammenfassen.

Das ist eigentlich eine relativ zutreffende Beschreibung meiner Person!

Die Zugfahrt war ja auch etwas strapaziös – elf Stunden, zweimal Umsteigen. Aber ich wollte das so. Das hier ist kein Wochenendtrip, wo man mal eben per Billigflieger rüberhüpft, die Distanz sollte schon spürbar werden. Eine richtige Reise eben.
Außerdem hat es mit dieser Strecke noch eine weitere Bewandnis: sie führte an den wichtigsten Orten vorbei, an denen ich schon mal “zu Hause” war.

Also, ohne weiteres Gedöns, hier die Dokumentation der Reise Berlin – London; nicht die tollste Qualität weil dunkel & Mobiltelefon, aber hey, es ist ein historisches Dokument!

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Gepäckhaufen um Mitternach auf dem Berliner Hauptbahnhof

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Eine ziemlich verfrorene Andrea. Zug war natürlich wieder 10 Minuten zu spät.

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Zwischenstopp Hannover. Da habe ich tatsächlich als Kind mein Unwesen getrieben.

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Umsteigen morgens um sechs in Köln. Da habe ich auch schon mal gewohnt. Der belgische Zug ist viel schicker!

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Das Foto ist etwas farbverfälscht. In Wahrheit ist die Einrichtung im Zug brutalpink!

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Und nochmal umsteigen. In Brüssel in den Eurostar. Sicherheitskontrolle wie am Flughafen!

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Abfahrt aus Brüssel. Hey, blauer Himmel!

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Im Eurostar. Im Tunnel. Unter dem Kanal.

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Wieder aus dem Tunnel raus. Hallo England!

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Und dann ist man auch schon ganz schnell in London!

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Ankunft in St.Pancras und ein dezenter Hinweis auf eine gewisse sportliche Großveranstaltung.

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Also innerlich hüpfe ich gerade vor Freude, nach 11 Stunden Fahrt kann ich das nur nicht mehr so zeigen.

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Der Weihnachtsbaum ist aus Lego. Wie geil ist das denn bitte?

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Lebensgeister wieder erwecken geht am besten mit Tee!

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Und zu Essen gab es auch noch! Das war ein Toast+Baked Beans+Spiegelei-Cthulhu und sein Kumpel Klaus.

Jetzt bin ich also da, mir gehts fein, ich bin ein bisschen übermüdet, bisschen überdreht aber gerade ziemlich glücklich. Eingerichtet habe ich mich auch schon, meine beiden per Post geschickten Umzugskartons haben sich auch angefunden, das Zimmer ist gemütlich und ich habe auch schon mein neues Lieblingsgetränk entdeckt: Toffee Apple Cider.  Ganz fieses Zeug!

Und jetzt werde ich ins Bett kippen, damit ich morgen die Stadt auf den Kopf stellen kann. In Gummistiefeln! Watch this space!

 

Urlaub und Dolce Vita ist ja nun vorbei, so allmählich rückt der Umzug näher. Tatsächlich noch acht Wochen, dann ist mein letzter Arbeitstag und da will ich dann auch so langsam mal los. Weihnachten und den Jahreswechsel verbringe ich bereits in London.

So ganz allmählich fühlt sich das Ganze auch real an. Im Sinne von “das passiert wirklich”. Das ist nicht immer nur ein angenehmes Gefühl, so ein kleines bisschen mulmig ist mir schon gelegentlich. Aber das ist bei Umzügen ja eigentlich normal und dieser ist noch ein bisschen aufwändiger als sonst.

Mit dem ganzen bürokratischen / logistischen Gedöns bin ich auch relativ gut dabei. Also so Sachen wie Kündigungen schreiben, irgendwelche Formulare besorgen und ausfüllen und sonstige Termine wahrnehmen. Dank guter Organisation konnte ich das meiste da schon abhaken. Übrigens, ein Tipp an alle Berliner: solltet ihr in absehbarer Zeit mit dem Bürgeramt zu tun haben, zum Beispiel zwecks Beschaffung eines Reisepasses oder zum Ab- oder Ummelden: im Internet kann man Termine vereinbaren. Das lohnt sich. Heute morgen war ich im Bürgeramt Wedding. Und dort war es voll. Richtig voll. Da saßen wenigstens hundert Leute herum und warteten. Und ich konnte ganz entspannt an allen vorbeischweben, weil ich einen Termin hatte. Nach zehn Minuten war alles erledigt und ich wieder draußen.

Jetzt geht es so langsam in die heiße Phase des “Extreme-Ausmisting”. In meiner Wohnung befindet sich ja viel mehr Zeug als ich jemals irgendwohin mitschleppen könnte. An diesem Wochenende habe ich schon ein paar Sachen weggegeben, in den nächsten Wochen folgt noch mehr. Es fühlt sich schon ein wenig seltsam an, mit anzusehen, wie die Wohnung immer leerer wird. Auf der anderen Seite ist es aber auch schön, wenn mein Zeug irgendwo landet, wo sich jemand noch so richtig drüber freut. Und es ist auch irgendwie befreiend, wenn man sich mal klar macht, dass man wirklich keinen Reiskocher, Waffeleisen, Kronleuchter etc. pp. braucht. Also ja, haben und benutzen ist ja ganz nett, aber wirklich brauchen tut man es eigentlich nicht. Ich bin jetzt also quasi im Gegenteil der Nestbau-Phase. Und es fühlt sich gut an.

“You buy furniture, you tell yourself, this is the last sofa I will ever need in my life. Buy the sofa, then for a couple of years you’re satisfied that no matter what goes wrong, at least you’ve got your sofa issue handled. Then the right set of dishes. Then the perfect bed. The drapes. The rug.
Then you’re trapped in your lovely nest, and the things that you used to own, now they own you.”
(Fight Club)

Wenn hier zwischendurch immer mal wieder Funkstille herrscht, dann liegt das daran, dass ich zur Zeit einfach zu viel zu tun habe, um zu bloggen.

Inzwischen ist immerhin klar, dass ich die Wohnung aufgebe. Die Kündigung ist auch schon bestätigt und das heisst, dass ich bis in drei Monaten meinen Krempel irgendwo anders untergebracht haben muss. Zur Zeit bin ich daher hauptsächlich damit beschäftigt, besagten Krempel auf ein Minimum zu reduzieren, im Volksmund auch als Ausmisten bekannt.

Jeder der schon mal umgezogen ist, kann bestätigen: über die Jahre sammelt sich doch jede Menge Zeug an. Und obwohl der letzte Umzug erst ein Jahr her ist und ich da auch schon viel aussortiert habe; jetzt geht es so richtig ans Eingemachte. Gestern habe ich beispielsweise so ungefähr 5 kg analoge Fotos aus den letzten zwanzig Jahren im Müll versenkt. Nachdem ich sie durchgesehen hatte, war mir klar, ich hatte fast alle seit etlichen Jahren nicht mehr angesehen, manche schon seitdem sie gemacht wurden. Und ich brauche nun wirklich keine Touristenfotos, auf denen zum Beispiel die Chinesische Mauer oder der Strip in Las Vegas abgebildet ist. Fotos auf denen Menschen oder Situationen abgebildet sind, an die ich mich erinnern möchte, habe ich selbstverständlich behalten. Aber der größte Teil konnte einfach so weg.

Meine Bücher sind mittlerweile auch auf ein Drittel reduziert; dank der Hilfe eines lieben Freundes können sich die Berliner Bibliotheken jetzt über Zuwachs ihres Bestandes freuen.

Es fällt natürlich auch jede Menge Kleinkram an, den ich zwar nicht behalten will, der aber auch zu schade zum Wegwerfen ist. Ein Versuch, einiges davon über Online-Kleinanzeigen zu verkaufen, war mäßig erfolgreich. Ein paar Sachen wurden verkauft, vor allem habe ich aber sehr viele Zeitgenossen kennengelernt, die ganz offensichtlich zehntausend Jahre Evolution einfach so übersprungen und lediglich den Faustkeil gegen das Mobiltelefon getauscht haben. Anders kann ich mir dieses unartikulierte Gegrunze am Telefon nicht erklären. Und nee, wenn ich etwas für 20 Euro inseriere, dann will ich es auch zu diesem Preis verkaufen und nicht etwa für die Hälfte. Deswegen steht da “Festpreis” und nicht “Verhandlungsbasis”.

Ich denke, ich werde dann doch mal Ebay eine Chance geben. Vielleicht finde ich auch irgendetwas Gemeinnütziges, wo man Sachen loswerden kann.

Braucht hier noch jemand einen Sandwichtoaster? Oder einen Reiskocher?

…ist jetzt nicht ganz mit dem Auszug aus Ägypten vergleichbar, nimmt also glücklicherweise keine biblischen Dimensionen an. Ist aber trotzdem mit geringfügig mehr Aufwand verbunden, als ein “normaler” Umzug. Von denen ich zum Glück schon so einige hinter mir habe, so dass ich da relativ cool bleibe. Ich denke an die ganze Aktion tatsächlich eher unter dem Stichwort “Umzug”. Für “Auswandern” müsste es schon Australien sein oder sowas, jedenfalls deutlich weiter weg.

Bis wir zur heißen Phase kommen, sind es ja auch noch ein paar Monate. Aber die Liste, was alles noch erledigt werden muss oder was ich alles noch tun möchte, kann sich jetzt schon sehen lassen.

Bis Mitte September muss ich beispielsweise entschieden haben, was aus meiner Wohnung (und damit verbunden natürlich auch aus meinem Hausrat) wird. Von meiner ursprünglichen Idee, sie einfach möbliert unterzuvermieten, bin ich mittlerweile nicht mehr ganz so überzeugt – wenn es da mal irgendwelche Probleme gibt, bin ich zu weit weg. Und wenn ich sie dann doch irgendwann auflösen möchte, muss ich das in meinem, vermutlich etwas spärlicher bemessenen, Urlaub tun und das wird dann erst recht hektisch und kompliziert. Also werde ich die Wohnung vermutlich zum Jahresende kündigen und meine Sachen irgendwo einlagern. (Falls das hier jemand liest, der gute Tipps hat, wo man das preisgünstig tun kann, immer her damit!!!)

Dann muss ich natürlich auch an so lustige Sachen denken, wie noch mal zum Zahnarzt zu gehen und alles was da eventuell notwendig ist erledigen zu lassen. Solange noch die deutsche Krankenversicherung für mich zahlt. In England wäre das nämlich ein Spass, den ich auf eigene Kosten bezahlen könnte und ich muss ja auch nicht warten, bis ich irgendwann Zahnweh kriege.
Da es so gut wie nichts gibt, was ich noch weniger mag als Zahnarztbesuche und ich diese daher sonst vor mir herschiebe bis es nicht mehr geht, fühle ich mich angesichts dieses Entschlusses doch sehr vernünftig und erwachsen.

Wie gesagt, die Liste von Dingen die ich erledigen muss ist lang; und dann gibt es natürlich auch noch die Liste von Sachen, die ich unbedingt noch gemacht haben möchte, bevor ich dann weg bin und nur noch zu Besuch hier herkomme. Zum Beispiel in diese Ausstellung hier gehen oder noch mal die Gärten der Welt besuchen. Und natürlich mich mit ganz vielen Freunden treffen. Wenn ich mir meinen Kalender bis zum Jahresende so ansehe, dann ist der schon jetzt ganz schön voll mit Terminen.

Bis jetzt ist es alles aber noch sehr entspannt und ich bin sehr neugierig, wie das so weitergeht. Es gibt ja noch so einige Details, hauptsächlich bürokratischer Art, die mir das Leben schwer machen könnten. Aber das lasse ich mal ganz entspannt auf mich zukommen. Zur Zeit bin ich jedenfalls, wie ich neulich einem Freund sagte
“95% excited, 5% scared shitless!”

Alles wird gut!

Seit letzter Woche ist dann endgültig klar: der Vertrag bei meiner jetzigen Firma wird nicht verlängert, da sie jetzt in größerem Maße Personal abbauen. Macht aber gar nichts, denn erstens habe ich damit gerechnet (ja, auch ich kann Börsenkurse lesen!) und zweitens schon seit Monaten diverse Pläne gemacht. Und seit kurzem steht dann auch fest, was ich nächstes Jahr tue.

Ich ziehe nach London!

Das ist etwas, das ich schon seit meinem Abitur vorhatte – aber immer kam irgend etwas dazwischen, Job, Mann oder ähnliches. Als sich jetzt aber so langsam abzeichnete, dass ich wohl in meinem jetzigen Job auch nicht auf Dauer bleiben kann, dachte ich mir “jetzt oder nie!” Der Zeitpunkt passte gerade so gut.

Und jetzt bereite ich halt vor, mich zum Jahresende aus Deutschland abzusetzen. Die Wohnung wird aufgelöst oder untervermietet, in der ersten Zeit kann ich erstmal bei lieben Freunden von mir wohnen, während ich nach einem Job suche. Den Rest sehen wir dann… und ihr dürft dann hier auf dem Blog mitlesen, wie es mir so ergeht.

Falls jemand übrigens Tipps, Kontakte oder ähnliches hat, die beim Umzug nach London hilfreich sein könnten, würde ich mich natürlich freuen.

In diesem Sinne…

Adventure is worthwhile in itself.
(Amelia Earhart)

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