Ein endloses Thema, neben der Sprache: Sitten und Gebräuche. Da gibt es für mich noch viel zu lernen. Potentielle Fettnäpfchen überall, das kennt ja zum Beispiel der Reisende, der zum ersten Mal in ein fremdes Land kommt.
So ist es beispielsweise grob unhöflich, mit typisch deutscher Effizienz in Telefongesprächen direkt mit der Tür ins Haus zu fallen. Zur Begrüßung muss zumindest ein “How are you?” “I’m fine, thank you, and you?” drin sein (es wird übrigens nicht erwartet dass man da wahrheitsgetreu antwortet, außer bei guten Freunden).
Dann gibt es noch spaßige Sitten, die an bestimmte Daten geknüpft sind. Bei uns ist der Faschingsdienstag eher das Stiefkind zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch, hier im Lande ist es Shrove Tuesday und da isst man Pfannkuchen. Angeblich kommt das von der Sitte, vor der Fastenzeit, die ja am Aschermittwoch beginnt, noch die Vorräte an Eiern und Fett zu verputzen. Es isst tatsächlich fast jeder an diesem Tag Pfannkuchen; wir waren sogar zu einer Pfannkuchen-Party geladen, die Freunde von uns veranstalteten. “Wir machen den Teig, ihr bringt die Füllungen mit!” Kann ich weiterempfehlen, ist eine lustige Sache!
Und vor ein paar Tagen war ja der 29. Februar, der ja wegen des Schaltjahres nur alle vier Jahre vorkommt. Und seitdem bin ich verlobt. Das kam so….
Das Schaltjahr heißt hier leap year und der 29. ist der leap day. An diesem Tag, so die Tradition, können Frauen den Männern Heiratsanträge machen. Ein Freund von mir hatte auf seinem Facebook Profil gepostet, dass es nun mittlerweile schon zehn Uhr vormittags wäre und er noch immer keinen Antrag (proposal) erhalten hatte. Ich habe per SMS nachgefragt und die Sitte erklärt bekommen.
An dieser Stelle kommen nun die Tücken der englischen Sprache und der englische Humor ins Spiel.
“To propose” heißt nämlich eigentlich nichts weiter, als “etwas vorschlagen”. Es kann allerdings auch “einen Heiratsantrag machen” bedeuten. Ich schrieb also “In order not to waste the day, I propose the two of us get together to have tea. Does that count and do you want to?” Ich habe also vorgeschlagen, wir gehen zusammen Tee trinken.
Er schrieb zurück “It does. I do.” Antrag angenommen.
Und dann schrieben wir beide auf unseren jeweiligen Facebook Profilen “I’m engaged!”
Was für sich allein genommen heißt, “ich bin verlobt”, aber “engaged” kann auch heißen, man nimmt an einer Aktivität teil. In diesem Falle Tee trinken. Was wir auch jeweils in den Kommentaren relativ schnell erklärt haben, aber wer liest schon die Kommentare…?
Ich bin im Rückblick ganz froh, dass wir den Scherz nicht noch weiter getrieben und unsere Facebook Profile entsprechend geändert haben. Es sorgte jedenfalls für leichte Verwirrung. Was auch ok ist, denn Engländer lachen bekanntlich auch über etwas extremere Scherze. Bei den Deutschen bin ich mir weniger sicher.
Allerdings, wenn ich so die Obsession der Engländer für Tee bedenke, könnte eine Verabredung zu selbigem schon eine ziemlich ernste Sache sein.
Ich bleibe dran und werde weiter über Sitten und Gebräuche berichten!
Total vernetzt!