Ich gestehe, im Herzen bin ich ein Cyber-Einsiedler. Trotz Blog, Online-Fotoalbum, Twitter und dergleichen, fühle ich immer noch ein tiefes Unbehagen, wenn ich private Daten im Internet preisgeben soll. Dass ich beispielsweise gezwungen bin, meine Adresse im Netz zu veröffentlichen, macht mir öfters Bauchweh.
Umso weniger kann ich verstehen, wenn jemand in irgendwelchen Social Media Anwendungen bereitwillig Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adressen, Fotos und andere Daten preisgibt. Wo bleibt denn da die Privatsphäre? Und was passiert mit diesen Daten? Einmal im Internet hat man keine Kontrolle mehr, wohin sie überall verbreitet werden.
Deswegen habe ich auch sehr lange gezögert, mich bei Facebook anzumelden. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass der Nutzen das Risiko überwiegt. Jetzt habe ich es allerdings doch getan, in erster Linie deswegen, weil ich selbst sehen wollte, was es damit auf sich hat – und ohne Anmeldung kann man ja nicht “mal eben reingucken”.
Mein erster Eindruck ist – durchwachsen. Tatsache ist, dass ich beinahe noch während der Anmeldeprozedur die ganze Geschichte abgebrochen hätte. Sobald man sein Benutzerkonto eingerichtet hat, schlägt einem Facebook nämlich schon andere Benutzer vor, die man in seine Freundesliste aufnehmen könnte. Sowas kenne ich ja schon von anderen Anwendungen wie Twitter; hier allerdings hat es mich extrem irritiert. Da stand nämlich gleich als erstes tatsächlich eine Freundin von mir. Die ich seit etlichen Jahren nicht gesehen habe. Es gibt keine offensichtliche Verbindung zwischen uns. Wir haben keinen gemeinsamen Freundeskreis, wohnen nicht mal im selben Land. Dass Facebook offenbar schon so viel über mein Privatleben weiss, dass es mir auf diese Weise alte Freunde präsentieren kann, fand ich extrem unheimlich.
Mittlerweile habe ich mich aber von dem ersten Schock erholt. Ich nehme an, sie hat irgendwann mal nach meinem Namen gesucht oder eventuell hat sie auch ein Foto in ihrem Profil, auf dem ich abgebildet bin. Trotzdem ist das ein schönes Beispiel über die Vernetzung in Social Media Anwendungen. Das Netz vergisst nichts.
Mein erster Eindruck, als ich dann tatsächlich “drin” war – Facebook ist wie Twitter plus seltsame Spielchen. Nachdem ich einige meiner Onlinebekanntschaften als Freunde hinzugefügt hatte (warum kann man da eigentlich überhaupt nicht differenzieren? in der Realität gibt es doch auch etliche Abstufungen?) war meine Startseite unglaublich unübersichtlich. Ein Großteil der Meldungen bestand aus so interessanten Nachrichten wie “XY hat bei Anwendung bla einen überdimensionalen Kirschkuchen gebacken” oder “ABC hat bei Anwendung blub einen rosa Elefanten gerettet”. Nachdem ich herausgefunden hatte, wie ich derlei Belanglosigkeiten herausfiltere, war das Ganze schon etwas freundlicher.
Und in der Tat habe ich über Facebook allein in dieser Woche wenigstens ein Dutzend alte Freunde wiedergefunden, zu denen ich aus verschiedenen Gründen den Kontakt verloren hatte. Das ist schon eine tolle Sache und allein das wäre schon ein Grund, weiterhin bei Facebook zu bleiben. Irgendwie macht es ja auch Spass, auch wenn mir momentan noch nicht ganz klar ist, warum manche Leute so viel Zeit damit verbringen; ich bin allerdings auch nicht wirklich scharf drauf, das herauszufinden und mir eventuell noch so einen Zeitfresser ans Bein zu binden…
Was meine anfänglichen Bedenken zum Datenschutz betrifft, bin ich mittlerweile auch etwas entspannter. Es zwingt mich ja niemand, Daten die ich nicht teilen will, öffentlich bei Facebook einzutragen. Wenn mich jemand kontaktieren möchte, dann kann er das ja über mein Profil dort. Ich behalte also die Kontrolle, was von mir an andere weitergegeben wird. Andere Leute sind da offenbar etwas sorgloser. Dank Synchronisation mit meinem Smartphone habe ich da jetzt Telefonnummern von Leuten in meinem Adressbuch, mit denen ich im ganzen Leben noch kein Wort gewechselt habe, über welches Medium auch immer. Also mir wäre das zu vertrauensselig.
Aber es darf ja jeder nach seiner eigenen Façon selig werden, oder?
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