Jetzt ist es fast ein Jahr her, dass ich wieder nach Berlin gezogen bin. Neuer Job, tolle Wohnung (wenn auch in einer eher, ähm, interessanten Gegend), neue und alte Freunde, eigentlich alles super.

Was hatte ich mir nicht alles für dieses Jahr vorgenommen! Ich wollte meine Küche quietschgrün streichen, viele, viele Pflanzen auf dem Balkon ziehen, vielleicht dort sogar einen Fußboden aus Holzfliesen verlegen um es richtig gemütlich zu machen, ich wollte mir einen Sportclub suchen, shoppen, Spass haben, wieder mehr ausgehen, ins Kino und auf Partys und auch mal wieder in den Urlaub fahren.

Seit ein paar Wochen liegen alle Pläne wieder mal auf Eis. Wie schon in den Medien zu lesen ist – zumindest wenn man Wirtschaftszeitungen liest – ist die Firma zur Zeit in finanzieller Schräglage, der Job entsprechend unsicher. Wieder mal.  Been there, done that… mein Kleiderschrank müsste mittlerweile voll sein mit T-Shirts. Wäre es wirklich zuviel verlangt, nur für ein paar Jahre mal einen sicheren Job zu haben, in einer Firma wo man sich nicht ständig Sorgen machen muss? Geht das?

Ich finde das alles grade gar nicht lustig.

Das ist einer von den Sätzen, die ich von ganzem Herzen hasse. Warum? Seht selbst:

Zeichnung von Zac Gorman, der noch viele andere sehenswerte Zeichnungen auf seinem Blog hat. Gefunden via Zockwork Orange.

Heute morgen dachte ich, ist denn echt schon Freitag?
Andererseits: zum Glück ist endlich Freitag. Diese Woche war ich so beschäftigt, ich kann ein verlängertes Wochenende jetzt wirklich gebrauchen!

Das fing ja schon am letzten Wochenende an. Da fiel mir zunächst auf, dass die Sonne ab dem Nachmittag genau auf meinen Monitor scheint. Mal ganz davon abgesehen, dass man da nicht mehr wirklich viel sieht, aber die Temperaturen die sich da so entwickeln sind sicher auch nicht ganz gesund für so ein TFT. Ich habe mir jedenfalls fast die Finger dran verbrannt. Also: mal eben das ganze Wohnzimmer umräumen, damit der Schreibtisch künftig woanders steht.

Wo ich dann grad dabei war, habe ich dann auch noch sämtliche Kratzer (Katzen, man erinnere sich) in der Tapete mit Farbe übermalt und da ich immer noch überschüssige Energie hatte, einfach mal mein Bücherregal umsortiert. Ich habe es jetzt auf die Bücher beschränkt, die ich wirklich am liebsten mag; fast zwei Drittel meiner Bücher habe ich aussortiert und die werden jetzt verkauft und verschenkt. (Mir fällt grad auf, das ist vielleicht nicht die schlaueste Idee, das im Blog zu erzählen, wo diejenigen mitlesen, die beim letzten Umzug meine etlichen Bücherkisten schleppen mussten … ähm…).

Diese Woche hatte ich dann außer Arbeit – wo wir momentan auch ein paar, naja, ich nenne es mal “sportliche Aufgaben”, zu tun haben – auch noch jeden Abend drei Stunden Sprachkurs. Und das war wirklich der Hammer! Ich kam zwar jeden Abend nach Hause und war vollkommen platt; aber der Kurs hat sich richtig gelohnt. Vor zwei Wochen konnte ich mich grade mal an drei Wörter Französisch erinnern, jetzt kommuniziere ich wieder in ganzen Sätzen und die machen sogar meistens noch Sinn!

Laut Aussage meiner Lehrerin und dem Ergebnis mehrerer Online-Tests zufolge, habe ich ein Sprachniveau zwischen dem Level B1 und B2. Das ist schon verdammt gut, wenn man bedenkt, dass ich praktisch seit meinem Abitur nichts mehr mit der französischen Sprache am Hut hatte (nee, ich sag euch nicht, wie lange DAS her ist!). Mir geht es natürlich trotzdem zu langsam und ich habe das Gefühl, mich kaum artikulieren zu können – aber klar, ich vergleiche auch mit meinem Englisch, obwohl das Blödsinn ist.

Zumindest habe ich ausbaufähige Sprachkenntnisse, das ist schon mal fein. Das Lernen als solches hat übrigens total viel Spass gemacht, es war eine sehr nette Gruppe und die Lehrerin ist top, weil sie keine langweiligen Lehrbuchsätzchen wiederholt sondern die Sprache so lehrt, wie sie auch wirklich gesprochen wird. Jetzt kann ich mich allerdings nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen. Der nächste Kurs ist schon in Planung; dann vielleicht aber nicht ganz so crashkursmäßig..

 

Ich wollte nur kurz vermelden, ich habe den ersten Abend Französischunterricht (von fünf, jeweils drei Stunden) erfolgreich überstanden. Mein Kopf fühlt sich zwar irgendwie an, als hätte jemand die entsprechenden Bereiche meines Hirns mit Hammer und Meißel bearbeitet, um die verschollenen Sprachkenntnisse freizulegen – aber doch erstaunlich erfolgreich. Ich bin doch wirklich noch in der Lage, in dieser Sprache in ganzen Sätzen zu kommunizieren und dies gelegentlich sogar verständlich!

Na, ich bin ja mal auf den Rest der Woche gespannt. Direkt nach der Arbeit noch drei Stunden Sprachunterricht ist jedenfalls nicht ohne…

 

Wenn ich einmal einen Flug buche, dann muss natürlich irgend etwas passieren. In diesem Falle ein mißgünstiger isländischer Vulkan, der anfing, Asche zu husten plus dazugehöriger Wind, der das Ganze auf Berlin zutrieb. Sechs Stunden, bevor mein Flugzeug am Mittwoch starten sollte, wurden die Berliner Flughäfen gesperrt. Bwaaaaaaah!!!

Aber so eine doofe Aschewolke hält mich ja nicht vom Fliegen ab! Habe ich also morgens früh den Entschluss gefasst, mit dem Zug nach Amsterdam zu fahren, um auf jeden Fall meinen Anschlußflug nach Bordeaux zu kriegen. Zum Glück habe ich Kollegen, die so nett sind, solche Mätzchen mitzumachen. (“Auf was wartest Du noch? Mach dass Du zum Bahnhof kommst!”)

Der Zug war sogar bis zum Schluß total pünktlich – und das war auch gut so. Ich durfte nämlich im Amsterdamer Flughafen noch 40 Minuten am Security Check-In Schlange stehen. Danach nur noch zehn Minuten im gestreckten Schweinsgalopp quer durch den Flughafen zum Gate rennen und genau pünktlich zum Beginn des Boarding kommen! Yay!

Ab da war dann der Stress vorbei und der Urlaub fing an.

In Kurzversion: einen Tag in Bordeaux und drei Tage an der Atlantikküste zum Campen. Traumschönes Wetter. Spaziergänge am Meer. Cap Ferret und Arcachon. Muscheln, Hähnchen und Thunfisch vom Grill, bestes Eis der Welt und der Rotwein natürlich nicht zu vergessen! Der gemütlichste Campingplatz auf dem ich je war (und das waren eine Menge!). Und das allerwichtigste, die nette Gesellschaft. Jemanden nach mehr als zehn Jahren wiederzusehen und sich nicht eine Minute fremd fühlen, das geht nur mit richtig guten Freunden.

Wenn man nach vier Tagen wieder nach Hause fliegt und das Gefühl hat, man war mindestens zwei Wochen im Urlaub, dann hat man irgend etwas richtig gemacht.

Jetzt habe ich erst einmal einen Französischkurs belegt um meine Sprachkenntnisse wieder ein bisschen aufzupolieren. Vielleicht brauche ich sie ja demnächst noch mal. Möglich wär’s…

Mehr Fotos vom Urlaub gibt es übrigens hier.

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