Und wieder mal ein Update aus dem Alltag im Vereinigten Königreich.
In London zu arbeiten, hat vor allem erst mal eines zur Folge: Berufsverkehr!
Mit dem Auto irgendwie von A nach B zu kommen ist sowieso komplett illusorisch, der Londoner auf dem Weg zur Arbeit fährt U-Bahn, oder wie sie hierzulande heißt, Tube. Die Londoner U-Bahn ist das älteste und zweitgrößte U-Bahn-Netz der Welt und trotz permanentem Ausbaus und Verbesserungen arbeitet sie mittlerweile ständig an ihren Belastungsgrenzen, gerade im Berufsverkehr.
Das sieht in der Praxis dann so aus, dass der typische Londoner morgens wie eine Sardine in der Bahn eingeklemmt entweder die Zeitung liest oder auf seinen Kindle oder Smartphone starrt – wobei das mit dem Empfang so eine Sache ist, der ist nämlich nur dann vorhanden wenn die Bahn nicht im Tunnel ist und auch dann nicht immer. Wer einen Sitzplatz hat (habe ich morgens fast immer, denn ich steige an der Endhaltestelle ein), der hat es zwar auch eng, denn die Sitze sind für eher schmale Leute konzipiert, aber wenigstens etwas weniger unbequem. Das Ganze erinnert mich manchmal an „Shaun of the Dead“, mit etwas weniger Verwesung…
In der Bahn verbringt man dann so ca. eine Stunde auf dem Weg zur Arbeit, manchmal auch mehr. Völlig normal ist übrigens, dass sich junge Damen nicht zuhause sondern in der Bahn schminken – das volle Programm. Da wird das Make-Up Täschchen herausgeholt und dann geht es los, von Foundation bis Mascara. Ich warte immer noch darauf, einen richtigen Schminkunfall zu beobachten, denn die Bahn ruckelt zwischendurch ganz schön – alte Gleise halt. Die Stationen sind auch sehr interessant, an manchen läuft man beim Umsteigen fünf Minuten durch diverse schmale Tunnel und über lange Rolltreppen um zu seiner nächsten Bahn zu kommen. Das liegt daran, dass das Netz eben nicht komplett als Ganzes geplant wurde, sondern im Laufe der Jahrzehnte einzelne Linien gebaut und irgendwie verbunden wurden. Manchmal auch von unterschiedlichen Firmen, weswegen die Bahnen auch nicht einheitlich sind.
Total normal ist es auch, dass die Bahn zwischendurch mal im Tunnel oder an einer Station für 5-20 Minuten stehen bleibt. Da ist dann im Normalfalle ein kleiner Stau auf der Strecke. Man gewöhnt sich dran. Ich bin noch nicht ein einziges Mal bis Earl‘s Court ohne kurzen Stopp auf der Strecke gefahren. Manchmal fällt auch ein Signal aus oder es passiert das, was man auf Deutsch formal mit „Fahrgastunfall“ umschreibt. Da geht dann erst einmal gar nichts mehr, ebenso wenn irgendwo ein herrenloses Gepäckstück aufgefunden wird. Es ist mir auch schon passiert, dass ich an einer Station gar nicht erst die Treppen runterkam, alles voller Menschen, nichts bewegte sich mehr. Es sind halt ziemlich viele Leute, die täglich diese U-Bahn benutzen und zu manchen Zeiten sind es eben zu viele. Wir freuen uns auch alle schon sehr auf die Olympischen Spiele, wenn sich das Verkehrsaufkommen mal eben verdoppeln wird…
Der absolute verkehrstechnische GAU ist allerdings, wenn Schnee fällt. So ca. fünf Minuten nachdem die ersten drei Flocken gefallen sind, geht hier in der Stadt gar nichts mehr. Und ich meine GAR NICHTS! Es rutschen noch ein paar Autos tollkühn über die Straßen, aber der öffentliche Nahverkehr kommt vollständig zum Erliegen. Da kann man dann auch für eine Strecke, auf der man normalerweise 20 Minuten fährt, 3 Stunden brauchen. Zum Glück fällt eher selten Schnee. Wir hatten vor ein paar Wochen mal welchen. Der war dann nach drei Tagen wieder weg.
Von so kleinen Macken abgesehen ist der öffentliche Nahverkehr in London aber klasse. Man kommt überall gut hin und wenn man erst mal begriffen hat wie das System funktioniert, ist es auch ganz einfach. Wenn ich spät abends/nachts nach Hause fahren möchte, dann fährt der Night Bus alle zehn Minuten, die ganze Nacht. Und in den Stationen fühlt man sich jederzeit vollkommen sicher. Da kann sich Berlin ein Scheibchen von abschneiden!
Solange halt kein Schnee fällt.
Aber dann greift wieder das Motto, mit dem man hier im Zweifelsfalle immer weiterkommt:





Total vernetzt!