Große Ereignisse werfen ja bekanntlich ihre Schatten unter die Augen.
Über’s Wochenende ist die Tatsache, dass ich nicht nur in Kürze wieder Arbeit habe, sondern dann natürlich auch nicht mehr hier sein werde, so langsam ins Bewusstsein eingesunken. Jetzt muss natürlich alles Mögliche organisiert werden.
Zunächst mal sollte natürlich das Arbeitsverhältnis in Sack und Tüten sein. Dann muss die Wohnung bis zum Monatsende gekündigt werden. Ich ziehe weg, der Mann bleibt da, der ist ja noch wenigstens ein Jahr unabkömmlich. Schwiegermutter hielt sich denn am Wochenende angesichts der frohen Botschaft auch gar nicht mit überflüssigen Freudenbekundungen auf sondern kam gleich aufs Wesentliche: Die Wohnung könnten wir (wen meint sie jetzt mit wir?) dann aber nicht behalten, die wäre ja viel zu groß und zu teuer. (Ja, es ist nun mal kein Plattenbau, sorry!). Dass wir vor zwei Jahren diverserlei Möbel angeschafft und einige Einbauten wie beispielsweise die Küche getätigt haben, ist rückblickend rausgeschmissenes Geld, aber leider nicht zu ändern. Muss halt wieder alles ausgebaut werden, falls nicht ein eventueller Nachmieter dafür zahlen möchte.
Aber erstmal heisst es doppelte Haushaltsführung; da muss ich mir dann also übergangsweise ein Schlafplätzchen in Berlin organisieren (falls jemand hier jemanden kennt, der für einige Wochen oder Monate günstig ein Zimmer vermietet, würde es mich freuen davon zu hören!) und dann natürlich Wohnung suchen. Zur besseren Finanzierung des Ganzen kann ich hoffentlich dem Arbeitsamt noch ein paar Zuschüsse aus dem Kreuz leiern, immerhin ziehe ich ja der Arbeit hinterher.
Wohnung suchen in Berlin ist ja immer eine lustige Sache, das habe ich ja schon mehrfach gemacht. So richtig damit loslegen kann ich natürlich erst, wenn ich vor Ort in Berlin bin und die Finanzierung und Übergabe der alten Wohnung geklärt ist. Aber spaßeshalber habe ich schon mal am Wochenende Wohnungsanzeigen angeguckt, damit ich weiss, was mich überhaupt so erwartet. Was manche Makler oder Vermieter da so von sich geben, darüber könnte man ganze Bücher schreiben. Da wird ganz enthusiastisch ein einsam in der leeren Küche herumstehender Gasherd als Einbauküche angepriesen und ein Abstellkämmerchen von zwei Quadratmetern mutiert mal eben zum dritten Zimmer. Lustig fand ich auch die Anzeige, die kein Blatt vor den Mund nahm. “Sehr gepflegter Altbau, was man von der Wohnung nicht behaupten kann. [...] Hier wohnten bis vor kurzem die Flodders. Ausstattung: einfach unterdurchschnittlich. [...]. ” Und so ging’s noch eine Weile weiter. Die Fotos zeigten, die Beschreibung war nicht übertrieben. Anderswo wird so etwas aber meist lakonisch mit “renovierungsbedürftig” umschrieben. Aber Wohnungs-anzeigen muss man ja eh so ähnlich lesen, wie Reisekataloge. Merke: “schalldämmende Wärmeschutzverglasung” baut man üblicherweise nur ein, wenn man wegen der Hauptstraße vor dem Fenster ansonsten in der Bude kein Wort verstehen würde. Und in einer Wohnung mit “originellem Zuschnitt” sollte man keine Stellflächen für längere Bücherregale oder Schrankwände erwarten.
Ich bin aber trotzdem ganz zuversichtlich, dass ich eine nette, bezahlbare Wohnung mit schöner Ausstattung und in zentraler Lage finde. Das habe ich bis jetzt noch immer geschafft.
Die Aussicht, jetzt erstmal ein paar Wochen quasi aus dem Koffer zu leben, ist natürlich nicht ganz so heimelig. Insbesondere spiele ich mit dem Gedanken, mir jetzt doch mal endlich ein Notebook anzuschaffen; ich kann ja meinen Computer nicht ständig mit mir herumschleppen. Hier gilt ebenfalls: falls jemand einen Tipp hat, sein altes Notebook preiswert verticken möchte oder vielleicht eines besitzt, was er für ein paar Wochen leihweise entbehren könnte, immer her damit! Ich brauche es im wesentlichen nur zum Mails lesen, surfen und bloggen; bei einem selbst gekauften Notebook würde ich warscheinlich aber Wert auf eine anständige Grafikkarte etc. pp. legen, damit ich dann auch mal damit zocken kann.
Unter dem Strich gibt es jedenfalls unglaublich viel zu tun jetzt. Aber im Abarbeiten von To-Do-Listen bin ich ja ganz gut. Dann genieße ich noch mal meine letzten Tage hier im Erzgebirge, bevor es wieder in die große Stadt geht!

Total vernetzt!