…fängt den Wurm, sagt der Volksmund. Aber mal ganz ehrlich, wer mag schon Würmer?
Mit dem Thema Vögel und Würmer und vor allem früh beschäftige ich mich schon etwas länger.
Ich bin nämlich eine Eule.
Ich gehöre zu dem Prozentsatz an Menschen, die ohne dass der Wecker klingelt, eher spät aufstehen und auch ebenso spät wieder schlafen gehen. Die Phase, während der ich normalerweise von allein ausgeschlafen, munter und leistungsfähig bin, liegt so ungefähr zwischen neun und vierundzwanzig Uhr. Ich kann völlig problemlos auch abends um zehn noch komplizierte Aufgaben lösen, aber vor zehn Uhr morgens bekomme ich nicht mal Frühstück hinunter.
Im Gegensatz dazu gibt es dann die sogenannten Lerchen; Menschen die morgens um fünf topfit aus dem Bett hüpfen, dafür aber abends um acht schon im Stehen einschlafen könnten. Mein Vater war beispielsweise so einer, was gelegentlich zu putzigen Szenen führte, wenn ich nach Hause kam, als er gerade aufgestanden war.
Dass alle Lebewesen, auch Menschen, einer inneren Uhr folgen, ist ja nichts Neues. Die Wissenschaft, die dieses Phänomen erforscht, ist die Chronobiologie. So weiß man mittlerweile, dass es tatsächlich, genetisch vorgegeben, extreme Morgen- und Abendtypen gibt, sowie verschiedene Mischformen. Oder halt einfach ausgedrückt Eulen und Lerchen.
Kompliziert wird das Ganze allerdings, wenn diese innere Uhr auf äußere Vorgaben trifft. Beispielsweise Arbeits- und Schulzeiten. Während der Pubertät ist das ganz besonders hart, da zu dieser Zeit fast bei allen die innere Uhr auf Eule gestellt ist, worauf die Unterrichtszeiten selbstverständlich keine Rücksicht nehmen.
Ebenso wenig, wie die hierzulande immer noch üblichen Arbeitszeiten.
Von Ausnahmen wie Gleitzeit und Schichtarbeit abgesehen, herrscht ein Verständnis von Arbeitszeit, das noch immer auf die vorindustrielle Agrargesellschaft zurückzuführen ist. Ein Bauer muss nun mal mitten in der Nacht aufstehen um die Kühe zu melken. Aber auch in unserer heutigen Gesellschaft ist der Gedanke noch weit verbreitet, je früher, desto besser. Wer schon morgens um sieben am Schreibtisch sitzt, ist eine fleissige Arbeitsbiene, wer sich um diese Zeit noch im warmen Bettchen herumdreht, ein faules Stück.
Dabei macht es streng logisch gesehen keinen Unterschied, wenn ich acht Stunden produktiv arbeite, ob ich das zwischen sieben und sechzehn Uhr oder zwischen zehn und neunzehn Uhr mache. Es muss lediglich gewährleistet sein, dass es eine Kernzeit gibt, während der man mit Sicherheit andere Menschen bei der Arbeit antreffen kann. Die Realität der vorgegebenen Arbeitszeiten sieht allerdings meistens anders aus, was dazu führt, dass Teile der Bevölkerung Tag für Tag ihre innere Uhr vergewaltigen.
In der Praxis sieht das zum Beispiel für mich so aus: ich bin so ab ca. zehn Uhr munter und in der Lage, sinnvolle Dinge bei der Arbeit zu erledigen. Zu diesem Zeitpunkt sitze ich allerdings schon zwischen zwei und drei Stunden am Schreibtisch. Bezahlte Arbeitszeit, die ich im Wesentlichen damit verbringe, verstohlen zu gähnen, mir noch einen Tee zu machen, irgendwelche möglichst simplen Routinedinge zu erledigen und mich zu bemühen, mir meinen Zustand nicht anmerken zu lassen. Denn – das kann sich vermutlich jeder selbst denken – dann gibt es nur die üblichen dummen Sprüche à la “Du musst mal früher ins Bett gehen!”. Was einen unglaublich sinnvollen Vorschlag darstellt. Gehe ich um acht Uhr ins Bett, liege ich bis ca. 23:00 Uhr wach bis ich einschlafe und bin morgens um sechs immer noch nicht munterer als sonst. Meine innere Uhr ist einfach nicht darauf gestellt. Es wird vermutlich niemanden überraschen, dass mir das im Arbeitsleben schon öfter Probleme mit Vorgesetzten und Kollegen eingebracht hat.
Geradezu verantwortungslos finde ich ja auch, wenn ich durch meine Arbeitszeiten gezwungen werde, morgens früh mit dem Auto zu fahren. Freiwillig würde ich mich so früh nicht hinters Steuer setzen, genausowenig wie ich unter Alkohol- oder Medikamenteneinfluss fahren würde. Aber gesellschaftlich ist vorgegeben, dass ich Tag für Tag mich und andere Verkehrsteilnehmer auf diese Weise gefährden muss. Keine Ahnung, wie viele Menschen da draussen herumfahren und -laufen, denen es ähnlich geht und die ihr Leben in einer Art Dauer-Jetlag verbringen.
In Dänemark gibt es mittlerweile sogar einen Verein, in dem sich Langschläfer organisieren, um ihre Forderungen bezüglich flexibler Arbeitszeiten durchzusetzen. Bei uns kann man hingegen nur hoffen, auf einen verständnisvollen Arbeitgeber und ebensolche Kollegen zu treffen. Oder sich selbstständig machen.
Ob man ein Morgen- oder Abendtyp ist, kann man übrigens hier testen. Was seid ihr? Eulen oder Lerchen? Und wie kommt ihr im Alltag damit klar?

Total vernetzt!