Hurra, ich habe was erlebt, ich war zwei Tage in der großen Hauptstadt für Vorstellungsgespräch und so. Aber der Reihe nach:

Mein erster Gedanke als ich in Berlin aus dem Zug stieg, war “Wo bin ich denn hier gelandet?” Um den Hauptbahnhof hatte ich bis dato immer einen Bogen gemacht und zwar mit dem Auto. Verpasst habe ich da nicht viel. Riesengroß, unübersichtlich, da oben fahren ein paar Züge, da unten auch, in der Mitte noch ein paar und dazwischen weite Wege. Und es zog wie Hechtsuppe. Uhren haben sie auf den Bahnsteigen vorsichtshalber keine, vielleicht damit man nicht so merkt wenn der Zug wieder Verspätung hat.

Ausserdem ist dieser Bahnhof geradezu überwältigend toll an das öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden. Nämlich über die S-Bahn (die ebenfalls von der DB betrieben wird). Nicht etwa, dass jetzt die S-Bahnen alle an derselben Stelle fahren würden, nee, die haben sie auch noch über ein halbes Dutzend Bahnsteige verteilt. Ich habe natürlich wieder mal das alte Murphy’s Supermarktkassen-Gesetz bewiesen und bin zielgerichtet auf den Bahnsteig gestapft, wo die S-Bahn dann die längste Verspätung hatte.

Ach ja, es gibt auch noch eine U-Bahn. Das ist diese Pseudo-Linie U55 mit ganzen 3 Stationen, die im Grunde nichts sinnvolles verbindet. Aber falls Frau Merkel mal Lust hat, ihren Dienstwagen stehen zu lassen und U-Bahn zu fahren…?

Falls noch Zweifel bestanden, in welcher Stadt ich gelandet war, wurden die in dem Moment ausgeräumt, als ich auf der vergeblichen Suche nach einem der freundlich gelben Fahrkartenautomaten einen Herrn mit Uniform und Mütze ansprach. Dieser guckte gerade in irgendein elektronisches Gerät, stieß auf meine Frage eine Art genervten Grunzlaut aus und wies ohne aufzublicken auf zwei Kolleginnen etwas weiter weg auf dem Bahnsteig. Das kommt dabei heraus, wenn man einen stereotypischen Berliner mit einem stereotypischen Bahnangestellten mixt.

Da wir gerade bei Stereotypen sind: der nächste Mensch, der mir auf dem Bahnsteig begegnete, trug eine dicke Pelzmütze und sprach russisch.

Nicht alle Berliner & Bahnangestellten sind dauergrummelig; als ich dann endlich den Fahrkartenautomaten lokalisiert hatte, hat eine freundliche Servicekraft sogar die Karte für mich aus selbigem geordert. Ich hätte deutlich länger gebraucht um da durchzusteigen, der Automat war nämlich nicht gelb.

Kalt war’s in Berlin. So -15°C angeblich. Ich habe zwei Tage meinem zuhause vergessenen Mützchen nachgeweint, immer wenn es nach draußen ging und meine Ohren anfingen abzufrieren. Da ich nicht dort war, um in einem winzigen, wenngleich gemütlichen, Hotelzimmer zu sitzen, war dies öfter der Fall.

Nach längerer Abwesenheit in eine Stadt zurückzukehren, in der man mal gelebt hat, ist ein seltsames Gefühl. Ungefähr so, als würde man einen alten Bekannten treffen und im ersten Moment denken “Hatte der früher nicht mal mehr Haare?” Zum Glück geht das nach kurzer Zeit vorüber, dann hat man sich wieder dran gewöhnt. Nachdem ich aus dem Hauptbahnhof des Grauens raus war, fühlte ich mich auch nicht mehr wie ein Tourist.

Es gibt aber Sachen, die hatte ich echt verdrängt. Beispielsweise dass man nicht U-Bahn fahren kann, ohne dass alle paar Stationen irgendein Mensch zusteigt, der die versammelten Fahrgäste mit Musik beglückt, ihnen Zeitungen andrehen will oder schlicht und einfach bettelt. Aufgefallen ist mir diesmal auch extrem der Sprachmischmasch. Ich habe Leute in sechs oder sieben Sprachen reden hören, die ich erkannte und mindestens nochmal genauso viele, die mir unbekannt waren. Sächsisch war nicht dabei; ich bin nicht böse darüber.

Liebe Grüße an dieser Stelle an Matze, Rudi und die charmante Girlgroup! Es hat viel Spass gemacht, mit euch die Teevorräte im Mambini zu vernichten; ich war ja versucht, den Honig und die Milch für schlechte Zeiten einzusacken. Das sollten wir bei Gelegenheit wiederholen.

War noch was? Ach ja, das Vorstellungsgespräch! ;)
Vielen Dank für das Daumen drücken; in ein paar Tagen wissen wir dann auch, ob es erfolgreich war.

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