Wie letztens bereits erwähnt, waren wir diese Woche extra nach Dresden gefahren, um uns im Kino Avatar anzusehen. Dank der Deutschen Bahn und ihrer verwegenen Fahrpreisgestaltung war dies einer der teuersten Kinobesuche aller Zeiten. Aber nichts ist zu teuer und kein Weg zu weit, um das neueste Meisterwerk James Camerons zu sehen.
Ich meine der James Cameron. Der uns so geniale Filme wie Terminator oder Aliens beschert hat. Ja – und Titanic auch. Jetzt ist er also nach zehnjähriger Vorbereitungszeit angetreten, uns den großartigsten Film aller Zeiten zu bringen. Um dessen kühne Visionen umzusetzen erst einmal die entsprechende Technik entwickelt werden musste. Der teuerste Film aller Zeiten. Der sich mittlerweile anschickt, Camerons eigenen Box-Office Rekord, den er mit Titanic hält, einzustellen. Das muss man erst einmal hinkriegen, 250 Mio. Dollar für einen Film auszugeben und damit dann wirklich Profit zu machen.
Ich bin ja bei soviel Lob im Vorfeld immer skeptisch. Weder der Trailer noch was ich über Avatar gelesen hatte, konnten mich sonderlich überzeugen. Aber man muss sich ja immer erst selbst ein Bild machen, oder?
Kurz gesagt: sobald ich mich an die nervige 3D-Brille gewöhnt hatte, haute mich die Wucht der Bilder quasi aus dem Kinosessel. Die Welt von Pandora entstand komplett am Computer, trotzdem hatte ich nicht einen Moment das Gefühl, auf eine künstlich erschaffene Umgebung zu blicken. Und das, obwohl sie in ihrer quietschebunten, leuchtenden Pracht schon recht befremdlich wirkte. Mehrmals ertappte ich mich dabei, dass ich unwillkürlich herumfliegende Insekten verscheuchen wollte und bei den Flugszenen musste ich mich im Sessel festhalten. Auch die Na’vi wirkten sehr real und nicht wie animierte Pixelhaufen.
Rein technisch hält Avatar auf jeden Fall was er versprochen hat. Bei der Story allerdings bevorzugt Cameron, auf der sicheren Seite zu bleiben und eine Geschichte zu erzählen, die auf jeden Fall dem Publikum gefällt. Da kann er sich sicher sein, denn dieselbe Geschichte wurde so oder so ähnlich schon ein paarmal erzählt, von Dances With Wolves über Pocahontas bis zu Last Samurai. Das wäre jetzt nicht so schlimm, wenn die Geschichte wenigstens gut erzählt würde. Aber auch hier entscheidet sich Cameron, das Ganze möglichst simpel zu halten, damit es auch jeder versteht. Die Charaktere sind teilweise erschreckend eindimensional. Der Anführer der Marines, Col. Quaritch, erinnerte mich die ganze Zeit an Major Chip Hazard aus Small Soldiers. Ein schiesswütiger Offizier mit Bürstenhaarschnitt und so badass, dass er sogar die toxische Atmosphäre Pandoras atmen kann ohne umzukippen. Der Vertreter des gierigen Großkonzerns, der die ganze Aktion auf Pandora finanziert, ist selbstverständlich ein schmieriges, kleines Männchen, das in der Zentrale Golf spielt und sich lediglich Sorgen um die Reaktion der Shareholder macht, wenn er seine Leute über Leichen gehen lässt. Man muss nicht lange überlegen, wer die Guten und die Bösen sind. Dazu bekommt man dann noch die Öko-Botschaft quasi mit dem Löffel verabreicht, garniert mit jeder Menge Ethno-Gaia-Kitsch, untermalt von einem eher unspektakulären Soundtrack.
Gefallen haben mir allerdings Sigourney Weaver (bei deren ersten Auftritt ich irgendwie ein starkes Aliens-deja-vu hatte), Sam Worthington und Zoe Saldana, die das Beste aus ihren Rollen herausholen. Und spätestens wenn dann die Seiten klar sind und böse Militärs gegen gute Ureinwohner antreten, zeigt Cameron den Emmerichs, Nolans und Scotts dieser Welt wo der Frosch die Locken hat. Denn Action inszenieren kann er wie kein anderer und die Luftkämpfe gegen Ende sind spektakulär.
Unter dem Strich ist Avatar also vielleicht nicht der tollste Film aller Zeiten und auch kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber durchaus solide Unterhaltung und schon wegen der Optik den Besuch wert. Nur dass wir vermutlich künftig fast ständig im Kino diese lästigen 3D-Brillen tragen müssen, nervt mich etwas…

Total vernetzt!