Nachdem die Anzahl meiner Bewerbungen im letzten halben Jahr mittlerweile schon sowas wie eine Bilanz zulässt, wollte ich euch doch mal an meinen vergnüglichen Erfahrungen teilhaben lassen.
Erfreulich ist, dass es wesentlich unaufwändiger geworden ist, sich zu bewerben. Die Zeiten, in denen man teure Bewerbungsmappen per Post verschickte sind zum Glück vorbei. Heutzutage schickt man Bewerbungen per E-Mail oder füllt direkt Bewerbungsformulare auf der entsprechenden Website aus und lädt seine Unterlagen hoch. Das geht schneller und spart auf Dauer enorm viel Geld.
Damit hat es sich aber auch schon mit den Vorteilen.
Da es so einfach geworden ist, Bewerbungen zu verschicken, scheint deren individueller Wert insgesamt auch gesunken zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass man auf den überwiegenden Teil der Bewerbungen keinerlei Reaktion erhält. Also nicht mal so etwas wie eine E-Mail “Danke, ihre Bewerbung ist angekommen, wir sehen sie uns mal an.” Stattdessen: nichts. Niente. Nada. Schweigen im Walde. Manche Unternehmen scheinen davon auszugehen, keine Antwort ist auch eine Antwort. Man fragt sich schon, was passiert da mit meinen zum Teil doch recht sensiblen Daten, die man da so einfach vertrauensvoll ins Nirwana schickt und niemals eine Reaktion erhält?
Dass man sich direkt bei einem Unternehmen bewirbt, ist inzwischen auch eine Seltenheit. Im Normalfalle kommuniziert man – in den ca. 30% der Fälle in denen überhaupt Kommunikation stattfindet – mit einer Arbeitsvermittlung. Der Vorteil ist, diese Leute machen nichts anderes und legen daher eine gewisse Professionalität an den Tag. Nachteil: man weiss meistens nicht, wo man sich denn nun eigentlich bewirbt, bis man zu einem Vorstellungsgespräch geladen wird. Oft ist auch unklar, ob es nun um eine Vermittlung in einen Arbeitsplatz geht oder um Zeitarbeit. Mit dem Stichwort “Festanstellung” kann durchaus beides gemeint sein, auch die Anstellung bei einem Zeitarbeitsunternehmen ist ja im Prinzip eine solche. Da hilft dann nur nachfragen.
Bei den Arbeitsvermittlungen gibt es auch erhebliche Unterschiede. Wenn mich jemand kontaktiert und von mir lediglich wissen möchte, ob ich vom Arbeitsamt einen Vermittlungsgutschein bekomme (der für einen Arbeitsvermittler, sofern er mir einen Job verschafft, 2.000,- Euro wert ist), dann denke ich mir schon meinen Teil. Ebenso mache ich mir meine Gedanken, wenn ich um Rückruf gebeten werde, da man mich vorgeblich telefonisch nicht erreichen konnte, mein Telefon aber keinerlei verpasste Anrufe anzeigt.
Meistens wird man allerdings gebeten, seine Daten aus dem Lebenslauf nochmal per Webformular in das System der Vermittlungsfirma einzutragen. Bei manchen Vermittlern kommt dann tatsächlich sowas wie ein regelmäßiger Kontakt zustande; im Idealfalle haben sie sogar mehrere Vermittlungsvorschläge. Wenn alles passt werden die Unterlagen dann zu dem Unternehmen, das den Job anbietet, weitergeleitet.
Und dann heisst es wieder, warten und Daumen drücken…



Total vernetzt!