Linus ist jetzt schon seit einem Monat bei uns. Zeit mal ein bisschen Bilanz zu ziehen.

Er hat sich mit den beiden anderen Katzen wirklich super angefreundet. Dadurch hat sich hier auch die ganze Situation enorm entspannt. Früher gab es jeden Tag Gekreische und Prügel zwischen unseren Katzen. Lotti verbrachte ihre Zeit fast nur im Versteck, wo sie ihre Ruhe vor Leon hatte. Heute ist es so harmonisch, das ist schon beinahe unheimlich!
Lotti lebt auf, spielt wieder viel mehr, kuschelt mit Linus und hat mittlerweile sogar Leon von seinem Stammplatz auf der Spitze des Kratzbaums vertrieben. Leon hat jetzt endlich jemanden mit dem er herumbalgen kann und wirkt viel ausgeglichener. Leider hat er mit Linus auch einen aufmerksamen Schüler, wenn es darum geht, irgendwelchen Blödsinn anzustellen. Aber hey, es sind halt Jungs…

Wir merken, dass drei Katzen doch erheblich mehr fressen. Was auch daran liegt, dass Linus ja momentan noch fünfmal am Tag Futter bekommt. Er ist auch so ein generöser kleiner Kater, dass er immer bereitwillig mit den anderen beiden teilt. Er weiss ja, dass genug da ist.

Das ist natürlich nicht der Sinn der Sache und so hocke ich meistens wie Zerberus zwischen Linus und seinem Freßnapf und den beiden potentiellen Mitessern. Die ihrerseits versuchen möglichst unschuldig auszusehen und überlegen wie sie mich austricksen können. Leichter wird das Ganze auch nicht dadurch, dass Linus gerne mal einen kleinen Verdauungsspaziergang einlegt, bevor er an den Napf zurückkehrt oder dadurch, dass er generell die Aufmerksamkeitsspanne eines – naja, eines kleinen Kätzchens hat. Oh, ein Geräusch! Dem muss man auf den Grund gehen! Junior hüpft davon und ich rette mit einem Hechtsprung den Fressnapf vor dem Zugriff von Lotti und Leon. Das Spielchen machen wir dreimal am Tag.

Wenigstens hat der junge Herr sich abgewöhnt, erstmal am Fressnapf zu schnuppern, sein süßes Näschen zu rümpfen und besseres Futter zu verlangen. Das hat er zwischendurch mal getestet, aber wieder aufgegeben, nachdem er ständig konsequent dasselbe Futter vorgesetzt bekam. Das ist ernährungstechnisch wertvoll, verhält sich allerdings zu dem was er gern mag (Stückchen in Soße oder eher Soße mit gelegentlichen Stückchen) wie grünes Gemüse zu Hamburgern mit Fritten. Es ist gesund aber dröge.
Mittlerweile futtert er aber alles was in den Napf kommt, wobei er immer noch eine gewisse Leidenschaft für Trockenfutter hegt. Sobald irgendetwas krümeliges in einer Schale klimpert, kommt er in Lichtgeschwindigkeit in die Küche gerast, selbst wenn es sich um Cornflakes handeln sollte. Trockenfutter gibt es zwar nur als Leckerchen, aber immerhin..

Ausserdem kommt der Kleine so langsam in die Pubertät, habe ich den Eindruck. An manchen Tagen testet er aus, wie er uns – oder speziell mich – in den Wahnsinn treiben kann. Mülleimer ausräumen, an Kabeln rupfen, Tapete kratzen – er weiss sehr genau, welche Sachen verboten sind, macht sie aber trotzdem und zwar immer so, dass man es auch mitkriegt. Diese Flegelphase hatten wir aber bei Leon auch, das legt sich irgendwann zum Glück wieder. Bis dahin muss man halt mit allen Tricks arbeiten. Den Mülleimer immer katzensicher verschliessen und die Kabel mit geeigneten Mitteln uninteressant oder unzugänglich machen. Nur das mit der Tapete wird schwierig, da gibt es einfach zuviel davon.

Alles in allem haben wir jetzt von allem mehr. Mehr Trubel, mehr Kosten, mehr Kuscheln und mehr Katzenhaare! Wir sind froh, dass wir den kleinen Kerl zu uns geholt haben!

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